Der Begriff Biotreibstoffe suggeriert, dass Treibstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen per se umweltfreundlich und ökologisch unbedenklich sind. Bei Vergleichen der Umweltbelastungen während des gesamten Lebenszyklus zeigt sich jedoch, dass nicht jeder Biotreibstoff ökologischer ist als Benzin oder Diesel.

Treibstoffe aus Biomasse, so genannt biogene Treibstoffe, sind bei ihrer Verwendung klimaneutral, weil kein zusätzliches Kohlendioxid (CO2) entsteht. Um ihre Gesamtbelastung auf die Umwelt mit jener der fossilen Treibstoffe (Benzin, Diesel) vergleichen zu können, müssen jedoch auch Anbau und Verarbeitung der Rohstoffe berücksichtigt werden. Forschende der Empa setzen dafür Lebenszyklusanalysen (LCA, siehe unten) ein.
80 Prozent weniger CO2 als Benzin
Die meisten Treibstoffe aus Biomasse verursachen bis zu 80 Prozent weniger Treibhausgase als Benzin. Biogene Treibstoffe aus Abfallstoffen oder Holz weisen dabei eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz auf als so genannte Agrotreibstoffe. Dies, weil der grösste Anteil der Treibhausgasemissionen beim landwirtschaftlichen Anbau der Rohstoffe entsteht, etwa durch die Herstellung von Kunstdünger, den Einsatz von Landmaschinen oder das Roden von Waldflächen.
Hohe Umweltbelastung bei Agrotreibstoffen
Bei der ökologischen Gesamtbilanz fällt der landwirtschaftliche Anbau mit Umweltbelastungen wie Überdüngung des Grundwassers, Versauerung der Böden oder Verlust an Biodiversität stark ins Gewicht. Viele Agro-Treibstoffe weisen sogar eine höhere Gesamtumweltbelastung als Benzin auf. Biogene Treibstoffe aus Abfallstoffen hingegen schneiden mit einer 30 bis 50 Prozent geringeren Umweltbelastung am besten ab. Sowohl bei den Treibhausgasemissionen als auch bei der ökologischen Gesamtbilanz ist der Anteil der Umwelteffekte eines allfälligen Transports gering, sofern effiziente Transportmittel wie Hochseetanker oder Pipelines eingesetzt werden.
Vom Anbau bis zum Verbrauch
Lebenszyklusanalysen (LCA) erlauben es, die Gesamtbelastung verschiedener Treibstoffe und Herstellungsprozesse auf die Umwelt miteinander zu vergleichen. Sie berücksichtigen dabei die gesamte Produktionskette, vom Anbau der Rohstoffe, über die Herstellung des Treibstoffs, bis hin zum Verbrauch. Die hier aufgeführten Resultate beruhen auf dem Stand der Technik im Jahr 2004 und müssen daher regelmässig überprüft werden. Aussagen zu ökonomischen und sozialen Faktoren können mittels LCA gegenwärtig noch nicht gemacht werden.






