September 2009

Die Verbauung der Landschaft wird zunehmend zum Problem. Ansatzpunkte für eine nachhaltige Raumentwicklung sind marktwirtschaftliche Steuerungsinstrumente, der Einbezug der Bevölkerung in die Planungsprozesse und fiskalische Massnahmen.

Baustelle. Foto: John Currie, ETH Zürich

Die fortschreitende Verbauung der Landschaft beeinträchtigt die Lebensqualität der Bevölkerung immer stärker, wie Studien der WSL zeigen.

Marktwirtschaftliche Steuerungsinstrumente

Wie kann die Raumentwicklung in eine nachhaltige Richtung gesteuert werden? Ein Ansatzpunkt ist, die heutige Raumplanungspraxis mit marktwirtschaftlichen Instrumenten zu ergänzen, also über Preis oder Angebotsmenge Einfluss zu nehmen. Wie für die Kantone Zürich und Baselland nachgewiesen wurde, hat der Grundstückspreis einen Einfluss auf den Ausbaugrad einer Parzelle. Doch das heutige Preisniveau reicht nicht aus, um den Ausbaugrad spürbar zu erhöhen. Weil also die Steuerung über den Preis nicht ausreichend wirkt und gleichzeitig grosse Bauzonenreserven bestehen, empfiehlt sich das Instrument der handelbaren Flächennutzungszertifikate. Dabei legt eine staatlich autorisierte Institution eine bestimmte Nutzungsmenge fest – beispielsweise begrenzt sie die überbaubare Fläche auf die erschlossenen Bauzonen. Gemeinden ohne Bauzonenreserven können solche von Gemeinden mit Reserven abkaufen. Für die Gemeinden Wettingen und Geltwil im Kanton Aargau zeigte die WSL auf, wie der Handel mit Nutzungsrechten zum Vorteil aller gestaltet werden kann: Das Instrument verspricht eine Konzentration der Überbauung in stadtnahen Gebieten und dadurch eine verringerte Zersiedlung.

Die Bevölkerung einbeziehen

Kooperative Planungsprozesse unterstützen ebenfalls eine nachhaltige Raumentwicklung: Der Einbezug der Bevölkerung in die Planung der Quartier- oder Gemeindeentwicklung stärkt die Identifikation, die Wertschätzung und das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung gegenüber ihrer Wohnumgebung. Zudem stärkt er das Vertrauen der Beteiligten in die Planungsbehörden – auch was künftige Vorhaben anbelangt.

Falsche fiskalische Anreize

Als Hebel für die Raumentwicklung erweisen sich auch fiskalische Festlegungen. Die aktuelle Besteuerungssituation von Wohneigentum, die Abzugsfähigkeit der Ausgaben für Arbeitswege und Hypotheken sowie die fehlende Internalisierung von Umweltkosten schaffen jedoch falsche Anreize: Sie fördern grosse Wohnflächen, die Zersiedelung, den flächenintensiven Einfamilienhausbau, das In-Kauf-Nehmen langer Arbeitswege sowie den zunehmenden Bedarf nach Verkehrsinfrastruktur.