Flüsse und Bäche in der Schweiz sind stark genutzt und dadurch zunehmend beeinträchtigt. Ungenügende Strukturvielfalt, verändertes Abflussregime und die Fragmentierung durch Hindernisse im Flussverlauf machen Flora und Fauna zu schaffen. Flussrevitalisierungen sind deshalb dringend notwendig. Sie schützen vor Hochwasser, dienen als Erholungsräume und wirken sich positiv auf die Biodiversität aus.


Fliessgewässer gehören weltweit zu den von Menschen am intensivsten genutzten und beeinträchtigten Ökosystemen. Auch die Bäche und Flüsse der Schweiz sind davon stark betroffen. Der Nutzungsdruck unterscheidet sich jedoch regional deutlich: Im Mittelland sind es vor allem Siedlungen, Verkehrswege und die Landwirtschaft, die den Gewässerraum beeinträchtigen. In den Alpen herrscht dagegen eine intensive hydroelektrische Energiegewinnung vor.
Alle 750 Meter ein Hindernis
Die Fragmentierung der Gewässer, also die künstliche Zerstückelung in kurze Abschnitte durch Barrieren wie Bauwerke, ist in der Schweiz extrem hoch. Weltweit weisen nur wenige Länder eine ähnlich hohe Fragmentierung auf: 88'000 künstliche, über 50 Zentimeter hohe Hindernisse beeinträchtigen die Vernetzung der Gewässer und somit die ökologische Funktion. Durchschnittlich ist die hindernisfreie Fliessstrecke in unseren Gewässern gerade noch 750 Meter lang. An einigen Flüssen ist die Situation jedoch noch prekärer: Eine Zählung sämtlicher Hindernisse an der Töss ergab beispielsweise, dass auf einer rund 60 Kilometer langen Fliessstrecke 568 künstliche Hindernisse existieren. Dem gegenüber stehen nur gerade 35 natürliche Barrieren. Stark betroffen sind davon die Fische, insbesondere Kleinfische wie die Groppe, aber auch die wirbellosen Tiere. Die Strecke, die sie zwischen zwei Hindernissen durchwandern können, ist in der Töss nur rund 100 Meter lang.
Hoher Revitalisierungsbedarf
Neben der Fragmentierung machen den Lebewesen in unseren Fliessgewässern auch die intensive hydroelektrische Nutzung mit ihren Restwasserstrecken und dem Schwallregime unterhalb von Kraftwerken zu schaffen. Der Grossteil der Schweizer Fliessgewässer weist zudem eine ungenügende Strukturvielfalt auf: Unter 600 m ü. M. sind es 50 Prozent, in den Siedlungsgebieten sogar 85 Prozent. Der Lebensraum Gewässer ist für Tiere und Pflanzen aber umso wertvoller, je abwechslungsreicher und vielfältiger er und seine unmittelbare Umgebung ist.
Mehr Lebensraum, weniger Hochwasser
Mittels Revitalisierungen werden die Gewässer wieder in einen naturnäheren Zustand gebracht. Den Gewässern wird mehr Raum zur Verfügung gestellt, was auch die Anliegen des Hochwasserschutzes berücksichtigt. Gewässer mit ausreichend Raum und Dynamik bringen weitgehenden Hochwasserschutz, dienen als Erholungsräume und weisen vielfältige Strukturen und Lebensräume für Pflanzen und Tiere auf. Zudem wird der Geschiebetransport gesichert und eine minimale Vernetzung mit dem Uferbereich ermöglicht. In extensiv genutzten Gebieten ist der Raumbedarf grosszügiger zu bemessen als in stärker beanspruchten Regionen.
Erfolgreiche Revitalisierungen wirken sich auch positiv auf die Biodiversität aus. In der Regel reagieren Lebewesen jedoch nicht sofort auf eine Revitalisierung. Eine ausreichende Vernetzung der Gewässer beschleunigt aber den Erholungsprozess.






