Im Forschungsprogramm CO2 werden an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) gemeinsam mit anderen Forschenden und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt Vorschläge erarbeitet, wie der Wald als Kohlenstoffsenke nachhaltig genutzt werden kann.
Der Wald gehört zu den wichtigsten Kohlenstoffsenken unserer Zeit. Er ist in der Lage, Kohlendioxid direkt aus der Luft aufzunehmen und den Kohlestoff in Biomasse zu speichern. Dank seiner Fähigkeit das Treibhausgas CO2 zu binden, hat der Wald mit Beginn der ersten Verpflichtungsperiode zum Kyoto-Protokoll am 1. Januar 2008 eine neue Bedeutung erhalten. An der WSL versucht man nun zu klären, welche Auswirkungen eine konsequente Senkennutzung auf das Ökosystem Wald, die Waldwirtschaft und die Gesellschaft in der Schweiz hat.
Wald als CO2-Senke deklarieren
Die Kyoto-Vertragsstaaten können den Netto- Zuwachs ihrer Wälder als Kohlenstoffsenke deklarieren und in bestimmtem Umfang mit den vom Menschen verursachten Emissionen verrechnen. Parlament und Bundesrat haben 2004 zugestimmt, den Wald in der Schweiz im Umfang von maximal 1,8 Millionen Tonnen als Kohlenstoffsenke zu nutzen. Würde dieser Wert erreicht, müsste die Schweiz ihre Treibhausgas-Emissionen nur um 4,5 statt um acht Prozent reduzieren. Für Davos liegt die Rechnung vor: Die Bäume auf Gemeindegebiet produzieren zurzeit Kohlenstoffsenken im Umfang von rund 8’800 Tonnen CO2 pro Jahr. Würde die Holznutzung eingestellt, so ergäbe sich gar eine Senkenwirkung von 21’000 Tonnen. Nachhaltig ist die Kohlenstoffsenke Wald allerdings nur, wenn das Holz als solches bestehen bleibt (Nutzung als Baustoff, für Möbel usw.). Lässt man das Holz vermodern oder wird es verbrannt, wird das einst gebundene CO2 wieder freigesetzt.
Senkenleistung zahlt sich aus
Eine im Wald gebundene Tonne CO2 erhält durch die Anrechnung einen Preis: Die Stiftung Klimarappen bezahlt Schweizer Unternehmen für die Reduktion einer Tonne CO2 in der Phase 2008 bis 2012 rund 70 Franken. Übertragen auf die maximal deklarierbare Senkenleistung des Waldes resultiert ein Wert von 126 Millionen Franken jährlich. Dieser Preis ist fiktiv und liegt vermutlich zu hoch. Dennoch ist zu erwarten, dass Waldbesitzende die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Senkenanrechnung prüfen und ihre bisherige Waldnutzung neu überdenken.
Werden andere Waldleistungen beeinträchtigt?
Wie Senken optimal genutzt werden können, ist noch unklar. Die entsprechenden Regelungen im neuen Waldgesetz wurden durch das Parlament in der Frühlingssession 2008 verworfen. Befürchtungen werden laut, dass mit den neuen finanziellen Anreizen in der Waldbewirtschaftung unerwünschte Nebenwirkungen ausgelöst werden. So ist beispielsweise unklar, ob und wie ein Senkenwald andere Waldleistungen beeinträchtigt und wer in einem solchen Fall haftet.






