Januar 2010

In der Schweiz findet besonders in den Alpen und auf der Alpensüdseite eine natürliche Wiederbewaldung statt. Eine Ausrichtung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen am Arbeitsaufwand für die Offenhaltung von Flächen und an ökologischen Qualitätszielen könnte der natürlichen Wiederbewaldung entgegenwirken.

Foto: Esther Ramseier, ETH Zürich

Die Waldfläche in der Schweiz nimmt zu – die Zunahme variiert aber je nach Region. So nahm die Waldfläche in den Alpen und auf der Alpensüdseite zwischen den Erhebungen des ersten und dritten Landesforstinventars, also zwischen 1983/85 und 2004/06, um bis zu 18 % zu. In den Voralpen und im westlichen Jura wurden im gleichen Zeitraum nur 2 bis 8 % Zunahme und im Mittelland und östlichen Jura sehr geringe Zunahmen verzeichnet.

Rund ein Fünftel des Neuwalds hat keine Vorrangfunktion. Bei zwei Fünfteln wird «Schutz vor Naturgefahren» als Vorrangfunktion genannt und gut ein Zehntel der Fläche dient vorrangig weiteren klassischen Waldfunktionen wie Holzproduktion oder Erholung. Somit sind bei rund 70 % der neuen Waldflächen keine Konflikte in der Nutzung zu erwarten. Der restliche Neuwald dient zu 12 % als landwirtschaftliche Nutzfläche, 8% sind Landschaftsschutz- und 8 % Naturschutzflächen. Hier bestehen möglicherweise Zielkonflikte.

Verwaldung vor allem in Bergregionen

Wie aus den Resultaten des WSL-Forschungsprojekts «Waldausdehnung im Schweizer Alpenraum» hervorgeht, ist die Wiederbewaldung auf landwirtschaftlich ertragsschwachen und arbeitsaufwändigen Standorten am grössten: Rund zwei Drittel der extensivierten oder aufgegebenen und dadurch verwaldeten Flächen liegen im Sömmerungsgebiet sowie in den Bergzonen III und IV. Die natürliche Wiederbewaldung des Berggebietes wird anhalten, es sei denn, es werden politische Massnahmen getroffen. Ein wichtiger Ansatzpunkt sind die landwirtschaftlichen Direktzahlungen:

1. Arbeitsaufwand abgelten

Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen für ökologische Ausgleichsflächen kompensieren die Ertragsausfälle einer extensiven Bewirtschaftung. Daher sind die Beiträge in Grenzertragslagen relativ gering. Wenn diese Zahlungen zur Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung beitragen sollen, müssen sie sich am Arbeitsaufwand orientieren, der zur Offenhaltung einer Fläche nötig ist.

2. Sömmerungsgebiete als Kulturlandschaft

Sömmerungsgebiete gelten nicht als landwirtschaftliche Nutzfläche. Damit werden – abgesehen von NHG-Beiträgen (Natur- und Heimatschutzgesetz) für Inventarobjekte – auch keine Beiträge für ökologische Leistungen ausgerichtet. Eine Orientierung von Beiträgen an ökologischen Zielen könnte einen Anreiz zur Aufrechterhaltung einer minimalen Bewirtschaftung geben und so die Wiederbewaldung ökologisch wertvoller Sömmerungsweiden eindämmen.

3. Regional differenzierte Beiträge

Da die Waldflächenzunahme in den einzelnen Regionen massgeblich von lokalen Besonderheiten abhängt und damit unterschiedlich hohe Kosten und Nutzen verursacht, ist zudem eine Regionalisierung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen zu erwägen.

Neben der Agrarpolitik spielen auch Instrumente aus anderen Politikbereichen eine wichtige Rolle für die (Nicht-)Offenhaltung von Flächen, so etwa Richt- und Nutzungspläne, Inventare, Gefahrenkarten oder politikübergreifende Konzepte wie Landschaftsentwicklungskonzepte.