ETH-Rat, 15. Juli 2016

An seiner Klausurtagung vom 13./14. Juli 2016 hat sich der ETH-Rat eingehend mit den Entwicklungsplänen 2017–2020 der Institutionen des ETH-Bereichs auseinander gesetzt. Zudem hat er sich mit möglichen Auswirkungen des Brexit auf die Forschungszusammenarbeit mit Grossbritannien und der EU befasst. Für den ETH-Rat ist klar: Eine engere Zusammenarbeit mit britischen Hochschulen kann die Teilnahme an Horizon 2020 nicht ersetzen. Er setzt deshalb weiter darauf, dass der Bund rasch eine Lösung mit der EU findet. Darüber hinaus hat der ETH-Rat 14 Professorinnen und Professoren ernannt sowie einen Professorentitel verliehen.

Der ETH-Rat genehmigt die Entwicklungspläne des ETH-Bereichs und überwacht deren Verwirklichung. So steht es im ETH-Gesetz. An seiner Klausurtagung vom 13./14. Juli hat sich der ETH-Rat eingehend mit den Eckpunkten der Entwicklungspläne 2017–2020 der Institutionen des ETH-Bereichs auseinander gesetzt sowie mit deren räumlichen und finanziellen Gesamtkonzepten (RFGK). Die Entwicklungspläne zeigen die strategischen Schwerpunkte auf in Lehre und Forschung sowie im Wissens- und Technologietransfer (WTT). Sie sind abgestimmt auf die Strategische Planung 2017–2020 des ETH-Rats und die BFI-Botschaft 2017–2020. Die Institutionen des ETH-Bereichs werden die Entwicklungspläne sowie die RFGK nun weiter bearbeiten und dem ETH-Rat an einer seiner nächsten Sitzungen zur Genehmigung unterbreiten. Im Rahmen der Klausurtagung hat sich der ETH-Rat zudem vor Ort ein Bild gemacht über den Masterplan Hochschulquartier Zürich Zentrum.

Horizon 2020: Die Türe schliesst sich

«Eine engere Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und britischen Hochschulen kann die Zusammenarbeit im Rahmen von Horizon 2020 nicht ersetzen», sagt Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats. «Weltweit existiert kein anderes internationales Forschungsprogramm auf derart hohem Niveau.» Bei einem Ausschluss würde die Schweiz einen wichtigen Zugang zu Wissen und Innovationen verlieren. Das wird nicht nur für die Hochschulen Nachteile mit sich bringen, sondern auch für Schweizer KMU und Industrie. Alleine die ETH Zürich und die EPFL arbeiten im Rahmen des 7. Europäischen Forschungsrahmenprogramms mit mittlerweile rund 1‘000 Partnern aus der Industrie. Zudem geht jeder fünfte Franken, den die Schweiz einwirbt, an die Wirtschaft. Der ETH-Rat fordert den Bundesrat und das Parlament deshalb eindringlich auf, alles daran zu setzen, dass die Schweiz so rasch als möglich vollumfänglich an Horizon 2020 teilnehmen kann.

Rücktritt von André Schneider, Vizepräsident der EPFL

Der ETH-Rat hat Dr. André Schneider, Vizepräsident der EPFL für Ressourcen und Infrastruktur (VPRI), für sein grosses Engagement für die EPFL und den ETH-Bereich gedankt. André Schneider, der seit Juni 2013 an der EPFL als VPRI tätig ist, übernimmt per 1. September 2016 das Amt des Generaldirektors am Flughafen Genf. Während seiner Zeit als Vizepräsident konnte die EPFL ihre zentralen Dienste stärken und die Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte weiterverfolgen. Dazu gehören das SwissTech Convention Center mit seiner Einkaufspassage sowie die ArtLab Pavillons, die im November eröffnet werden. André Schneider hat sich ausserdem für die weitere Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung des Campus eingesetzt.

Sein derzeitiger Stellvertreter, Dr. Etienne Marclay, wurde zum VPRI ad interim bis zum 31. Dezember 2016 ernannt.

 

14 Professorinnen und Professoren ernannt

Der ETH-Rat hat auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr. Lino Guzzella, und des Präsidenten der EPFL, Prof. Dr. Patrick Aebischer, insgesamt 14 Professorinnen und Professoren ernannt sowie einen Professorentitel verliehen.

Ernennungen ETH Zürich

Dr. Daniel Farinotti (*1982), zurzeit höherer wissenschaftlicher Mitarbeiter an der WSL in Birmensdorf, zum Tenure-Track-Assistenzprofessor für Glaziologie. Daniel Farinotti befasst sich mit Fragestellungen an der Schnittfläche von Klimawissenschaften, Hydrologie und Glaziologie und hat sich auf dem Gebiet der Hydrologie der Gebirgskryosphäre ein international sichtbares Portfolio erarbeitet. In den nächsten Jahren gilt sein Fokus insbesondere der Forschung zur zukünftigenEntwicklung der Eisvorkommen in Gebirgen sowie vermehrt auch hydro-glaziologischen Langzeitprogno­sen. Daniel Farinotti wird eine Gruppe Glaziologie an der ETH Zürich und der WSL leiten und die internationale Spitzenposition der beiden Institutionen in diesem Bereich weiter stärken.

Prof. Dr. Reto Knutti (*1973), zurzeit ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich, zum ordentlichen Professor für Klimaphysik. Reto Knutti ist ein weltweit renommierter Wissenschaftler. In seiner Forschung befasst er sich mit Veränderungen im globalen Klimasys­tem, die durch den steigenden Ausstoss von Treibhausgasen wie CO2 verursacht wer­den. Dazu verwendet er numerische Modelle unterschiedlicher Komplexität. Seine Arbeit trägt entscheidend zu einem besseren Verständnis der Unsicherheiten von Klima­prognosen bei, unter anderem im Rahmen der Klimaberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC/UNEP). Seit 2015 ist er als Delegierter des Präsidenten der ETH Zürich für Nachhaltigkeit tätig. Mit der Ernennung von Reto Knutti zum ordentlichen Professor erhält sich die ETH Zürich einen sehr erfolgreichen Forscher sowie engagierten und beliebten Hochschullehrer.

Prof. Dr. Marloes H. Maathuis (*1978), zurzeit ausserordentliche Professorin an der ETH Zürich, zur ordentlichen Professorin für Statistik. Marloes Maathuis ist eine sehr kreative und in ihren Fachbereichen führende Wissenschaftlerin. Ihre Arbeitsgebiete umfassen unter anderem die kausale Inferenz, Algorithmik und Methoden für hochdimensionale dünn be­setzte Graphische Mo­delle sowie interdisziplinäre Anwen­dungen an der Schnittstelle zwischen Biologie, Epidemiologie und Statistik. Insbesondere ihre Bei­träge über kausale Inferenz gelten als wegweisend und haben auf diesem Gebiet grundlegend neue Möglichkeiten erschlossen. Mit der Ernennung von Marloes Maathuis zur ordentlichen Professorin erhält sich die ETH Zürich eine hervorragende Wissenschaftlerin, die mathematische und interdisziplinäre Forschung auf höchstem Niveau betreibt und gleichzeitig den Wissenstransfer voranzutreibt.

Dr. Jeremy Richardson (*1986), zurzeit Junior Research Fellow an der Durham University, Grossbritannien, zum Tenure-Track-Assistenzprofessor für Theoretische Molekulare Quantendynamik.  Jeremy Richardson forscht im Bereich der theoretischen Beschreibung von quantendynami­schen Prozessen komplexer Systeme. Seine Resultate ermöglichen unter anderem die Untersuchung von Prozessen, die in der Chemie von zentraler Bedeutung sind, wie Protonen- und Elektronen­übertragungen in grossen molekularen Komplexen und in der kondensierten Phase. Mit der Berufung von Jeremy Richardson gewinnt die ETH Zürich einen äusserst originellen theoretischen Chemiker, der die erfolgreiche Tradition des Departements Chemie und Angewandte Biowissenschaften auf dem Gebiet der theoreti­schen Chemie fortsetzen wird.

Prof. Dr. Konrad Schindler (*1974), zurzeit ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich, zum ordentlichen Professor für Photogrammetrie und Fernerkundung. Konrad Schindler ist ein international vielbeachteter Forscher auf seinem Gebiet und engagiert sich in überdurchschnittlichem Masse in der Lehre. Seine drei Hauptthemen sind die integrierte Behandlung in der Extraktion von geometrischen und semantischen Informationen, die Kombination und Fusion von Daten und Informationen aus multiplen Sensoren und Plattformen sowie die Wartung und Nachführung von sehr grossen Geo-Datenbanken – insbesondere auch von Informationen und Daten, die auf dem Internet zur Verfügung gestellt werden. Die Ernennung von Konrad Schindler zum ordentlichen Professor trägt dazu bei, die internationale Spitzenposition der ETH Zürich im Bereich der Photogrammetrie zu sichern und auszubauen.

Prof. Dr. Heather Stoll (*1973), zurzeit Professorin an der Universidad de Oviedo, Asturien, Spanien, zur ordentlichen Professorin für Klimageologie. Heather Stolls Interessen gelten einem tieferen Verständnis der Erd­klimageschichte der letzten zehn Millionen Jahre, mit besonderem Augenmerk auf die Schwankungen der atmosphärischen CO2-Konzentration. Dabei nutzt sie modernste geochemische Hilfsmittel. Die Berufung von Heather Stoll stellt eine entscheidende Stärkung der Paläoklimatologie an der ETH Zürich dar. Sie wird sich den brennenden und für die Gesellschaft rele­vanten Fragen der Zusammenhänge zwischen dem atmosphärischen CO2-Gehalt und dem Klima sowie den biologischen Anpassungen in Folge von Klimaveränderungen widmen. Mit anderen Professuren innerhalb des Departements Erdwissenschaften und der ETH Zürich wird sich dabei eine bedeutende Synergiewirkung ergeben.

Prof. Dr. Jing Wang (*1979), zurzeit Assistenzprofessor an der ETH Zürich, zum ausserordentlichen Professor für Luftqualität und Partikeltechnologie. Jing Wang gilt auf dem Gebiet der Luftreinhaltung und der Partikeltechnologie als einer der führenden Wissenschaftler weltweit. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem die Reduktion von Nanopartikeltransporten und -emissionen, die Entwicklung von Instrumenten zur Messung von Nanopartikeln in der Luft sowie die Luft- und Wasserfiltration. Seine Arbeit trägt dazu bei, die Bedeutung von Nanomaterialien für den Umwelt- und Arbeitsschutz besser zu verstehen. Mit der Berufung von Jing Wang zum ausserordentlichen Professor erhalten sich ETH Zürich und Empa einen exzellenten Forscher, der das Thema Luftreinhaltung im Umweltingenieurwesen an beiden Institutionen nachhaltig weiterbringen wird.

Dr. Ce Zhang (*1987), zurzeit Postdoktorand an der Stanford University, Kalifornien, USA, zum Tenure-Track-Assistenzprofessor für Informatik. Ce Zhang ist ein vielversprechender Nachwuchswissenschaftler. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich von Datenbanken, Datenverarbeitung, Maschinellem Lernen und Data Science. Im Fokus seiner Anwendungen liegen Systeme, die Wissenschaftlern helfen, grosse Menge von Daten zu analysieren und zu verstehen. Dabei verbindet er die klassischen Gebiete der Datenbanken und des Information Retrieval mit neuen Methoden im Maschinellen Lernen. Mit der Berufung von Ce Zhang stärkt das Departement Informatik die Lehr- und Forschungstätigkeiten im Bereich Data Science entscheidend.

 

Ernennungen EFPL

Prof. Dr. Friedhelm Hummel (*1969), zurzeit Stellvertretender Klinikdirektor des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Deutschland, zum ordentlichen Professor für Life Sciences. Friedhelm Hummel ist ein international bekannter Spezialist für die Erforschung und Behandlung von Schlaganfällen. Er konnte erstmals belegen, dass die Stimulierung des Hirns mit non-invasiven Methoden wie magnetischer Stimulierung die Bewegungsfunktionen von Schlaganfallpatienten verbessern kann. Mit seiner breit abgestützten Erfahrung in Klinik, Forschung und Lehre ist Friedhelm Hummel die ideale Besetzung für die auf Neurotechnik und Mensch-Maschine-Interaktion fokussierte Professur. Er wird sowohl auf dem Biotech-Campus in Genf als auch an der EPFL Valais Wallis wirken.

Dr. Martin Jaggi (*1982), zurzeit Postdoktorand an der ETH Zürich, zum Tenure-Track-Assistenzprofessor für Informatik und Kommunikationssysteme. Martin Jaggi ist ein bereits viel beachteter Mathematiker und Informatiker. Sein gesamtes Engagement fokussiert er auf das relativ junge Gebiet des Maschinellen Lernens. Dieses automatisierte Erkennen von Mustern und Gesetzmässigkeiten in grossen Datenmengen entwickelt sich zurzeit sehr rasch und verspricht in verschiedensten wissenschaftlichen Anwendungsgebieten Fortschritte. Mit Martin Jaggi kann die EPFL einen sehr dynamischen und trotz seiner Jugend durchsetzungsfähigen Wissenschaftler engagieren, der sein Spezialgebiet in Forschung und Lehre weiter etablieren und vorantreiben wird.

Prof. Dr. Andrew Oates (*1969), zurzeit Professor am University College, London, Grossbritannien, zum ordentlichen Professor für Life Sciences. Andrew Oates ist ein weltweit renommierter, äusserst innovativer Entwicklungsbiologe. Seine Forschung fokussiert auf die genetischen Programme, die bei Wirbeltieren in einer genau festgelegten zeitlichen Abfolge mit der Bildung von Somiten die embryonale Entwicklung anstossen. Am Beispiel des Zebrafisches gelangen ihm dabei mit einem interdisziplinären Ansatz aus Theoretischer Biologie, Systembiologie, Physik, Computermodellierung und quantitativen bildgebenden Methoden viel beachtete Durchbrüche. Mit der Berufung von Andrew Oates kann die EPFL ihre internationale Position in der Entwicklungsbiologie bedeutend stärken.

Dr. Pavan Ramdya (*1979), zurzeit Postdoktorand am California Institute of Technology, Pasadena, Kalifornien, USA, zum Tenure-Track-Assistenzprofessor für Life Sciences. Pavan Ramdya ist ein vielversprechender Neurobiologe, der das Gruppenverhalten von Drosophila-Fliegen anhand von neurogenetischen Methoden, Verhaltensbeobachtung und Computersimulationen untersucht. An der EPFL wird er seinen Fokus unter anderem auf die Bildung von Bewegungsmustern der Beine sowohl bei Wirbeltieren als auch bei Wirbellosen richten. Pavan Ramdya beherrscht ein breites Spektrum von Fachbereichen und Methoden, die er miteinander kombiniert. Dies erlaubt es ihm, sehr anspruchsvolle biologische Fragestellungen mit translationalem Potenzial in Angriff zu nehmen.

Prof. Dr. Paolo Ricci (*1976), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessor an der EPFL, zum ausserordentlichen Professor für Plasmaphysik. Paolo Ricci ist ein sehr kreativer Wissenschaftler mit grossem Potenzial. In den letzten Jahren hat er es geschafft, an die internationale Spitze seines Fachgebiets vorzudringen. Seine Forschung fokussiert er auf drei Themen: Die Simulation und Analyse von Turbulenzen in Fusionsreaktoren vom Typ Tokamak, die Dynamik von schnellen Ionen sowie die Validierung von numerischen Codes, die zur Simulation von Plasmaturbulenzen benutzt werden. Mit seinen neuartigen Forschungsstrategien wird er wesentliche Beiträge zur internationalen Positionierung der EPFL leisten.

Dr. Christian Theiler (*1982), zurzeit Postdoktorand an der EPFL, zum Tenure-Track-Assistenz­professor für Plasmaphysik. Christian Theiler hat in den letzten Jahren mit seinen wissenschaftlichen Resultaten und mit Beiträgen in renommierten Publikationen weltweit Beachtung gefunden. Während eines Aufenthalts am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA,  entwickelte er unter anderem eine neue Technik für spektroskopische Messungen des Ladungsaustausches im Plasma eines Tokamak. Seine Erkenntnisse setzt er ein, um diesen Typ von Fusionsreaktor in internationalen Projekten weiter zu verbessern. Die Berufung von Christian Theiler erlaubt der EPFL, ihre Aktivität im Bereich der Kernfusion weiter zu verstärken.

 

Verleihung des Titels «Professor»

Dr. Andreas Rigling (*1964), zurzeit Lehrbeauftragter an der ETH Zürich, zum Titularprofessor der ETH Zürich. Andreas Rigling gehört dem Leitungsgremium der WSL an und leitet dort die Abteilung Walddynamik. Seit 2007 wirkt er zudem als Lehrbeauftragter am Departement Umweltsystem­wissenschaften der ETH Zürich. Sein Forschungsfokus liegt auf Themen der Walddynamik, insbeson­dere auf der Reaktion von Wäldern auf Veränderungen und Störungen wie Feuer, Insektenbefall oder Klimaveränderungen.