ETH-Rat, 22. Mai 2015

Im Schweizer Stipendienwesen besteht Harmonisierungsbedarf. Der ETH-Rat unterstützt deshalb die aktuellen Harmonisierungsbestrebungen von Bund und Kantonen. Er hat gleichzeitig Verständnis für die Anliegen der Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierenden VSS. Angesichts der zu erwartenden Mehrkosten der Initiative zulasten der Bildungs- und Forschungsbudgets überwiegen nach Auffassung des ETH-Rats jedoch die Nachteile der Initiative. An seiner Sitzung hat sich der ETH-Rat des Weiteren mit Forschungsinfrastruktur-Projekten von nationaler Bedeutung befasst und die Nachfolgeplanung für die Präsidentschaft der EPFL weiter konkretisiert. Dr. Christian Zurbrügg wurde als neues Direktionsmitglied der Eawag ernannt.

Der ETH-Rat hat sich wiederholt mit den Harmonisierungsbemühungen im Schweizer Stipendienwesen auseinandergesetzt. Hinsichtlich der am 14. Juni 2015 zur Abstimmung gelangenden Stipendieninitiative äussert der ETH-Rat Verständnis für das Anliegen der Initiantinnen und Initianten, zumal auch aus Sicht des ETH-Rats Handlungsbedarf im Schweizer Stipendienwesen besteht.

Stipendieninitiative: Legitimes Anliegen, aber Nachteile überwiegen

Nach Auffassung des ETH-Rats überwiegen jedoch die Nachteile der Initiative gegenüber dem indirekten Gegenvorschlag des Parlaments, welcher bei Ablehnung der Initiative in Kraft treten kann. Als kritisch erachtet der ETH-Rat namentlich, dass gemäss Berechnungen des VSS eine Annahme der Initiative jährlich Mehrkosten von über 500 Millionen Franken zur Folge haben könnte. Diese Mittel würden dann an anderer Stelle im Bildungsbereich sowie bei anderen Aufgaben fehlen. Demgegenüber ist der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments ein Schritt in die richtige Richtung, und auch das erst kürzlich in Kraft getretene kantonale Stipendienkonkordat soll sich nun bewähren. Gegenvorschlag und Konkordat fördern die Harmonisierung zwischen den Kantonen und tragen zur Vereinheitlichung gewisser Grundsätze im Stipendienwesen bei. Unterschiede bleiben jedoch bestehen. Deshalb sind zusätzliche Harmonisierungsbemühungen bei der Stipendienhöhe und ein verstärktes finanzielles Engagement des Bundes weiterhin erstrebenswert.

Initiative für Datenwissenschaften lanciert

Der ETH-Rat hat einen Grundsatzentscheid zum Aufbau eines nationalen Data Science Centers gefällt. Zur wissenschaftlichen Nutzung und sicheren Handhabung von riesigen Datenmengen («Big Data») will der ETH-Bereich die Verantwortung zum Aufbau eines solchen Data Science Center übernehmen. In der Schweiz fehlen zunehmend die Kapazitäten, die Expertise und das geschulte Personal, um die in Wissenschaft und Forschung rasant wachsenden Datenmengen wissenschaftlich auszuwerten und zu nutzen. Das Data Science Center soll innerhalb der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und der ETH Zürich aufgebaut werden. Es wird aus einem interdisziplinären Team von Daten- und Computerwissenschaftlern bestehen und der gesamten Forschungsgemeinschaft in der Schweiz zur Verfügung stehen.

Teil der vom ETH-Rat beschlossenen Initiative ist auch der Aufbau entsprechender Studiengänge in Datenwissenschaften an der EPFL und der ETH Zürich. Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung dieser Initiative wird im Wesentlichen durch das Budget des ETH-Bereichs bestimmt, welches Bundesrat und Parlament im kommenden Jahr für die Periode 2017-2020 festlegen.

Grossprojekt SwissFEL auf Kurs

Mit Befriedigung hat der ETH-Rat den Fortschrittsbericht zum Bau der neuen Grossforschungsanlage SwissFEL des PSI in Würenlingen zur Kenntnis genommen. Gemäss heutigem Stand kann das technisch äusserst komplexe Projekt innerhalb des geplanten Budgetrahmens von CHF 275 Mio. realisiert und Ende 2016 in Betrieb genommen werden. Mit dem SwissFEL steht in der Schweiz inskünftig der Forschungsgemeinschaft in Wissenschaft und Industrie eine Röntgenlichtquelle zur Verfügung, wie sie in dieser Art weltweit derzeit nur gerade in zwei anderen Anlagen (USA und Japan) vorhanden ist. Damit kann die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz nachhaltig gestärkt werden.

Nachfolge EPFL-Präsident: Stellenausschreibung im Juni

Im Findungsverfahren für die Nachfolge des Ende 2016 abtretenden EPFL-Präsidenten Prof. Dr. Patrick Aebischer hat der ETH-Rat seine Arbeiten aufgenommen. So hat der Präsident ETH-Rat aus dem Kreis der EPFL-Professorenschaft Prof. Aude Billard und Prof. Thomas Rizzo als Beisitzende mit beratender Stimme für das gesamte Findungsverfahren ernannt. Des Weiteren wurde das Anforderungsprofil der neuen Präsidentin oder des neuen Präsidenten festgelegt, nachdem hierzu namentlich die Hochschul­versammlung sowie die Professoren-Vereinigung APEL der EPFL konsultiert wurden. Die öffentliche Ausschreibung der Stelle erfolgt Anfang Juni. Angestrebt wird ein Stellenantritt per 1. Januar 2017.

Christian Zurbrügg neues Direktionsmitglied Eawag

Auf Antrag der Direktorin der Eawag, Prof. Dr. Janet Hering, hat der ETH-Rat Dr. Christian Zurbrügg (*1962) als neues Mitglied der Direktion ernannt. Christian Zurbrügg tritt per 1. August 2015 die Nachfolge von Prof. Dr. Peter Reichert an, der sein Amt per Ende Juli 2015 abgibt. Christian Zurbrügg ist Senior-Wissenschaftler der Eawag und seit 2004 Leiter der Abteilung Wasser und Siedlungshygiene in Entwicklungsländern. Er ist Lehrbeauftragter an der ETH Zürich und unterstützt die Lehre an weiteren Universitäten und an Fachhochschulen. An der EPFL koordiniert er die Massive Open Online Course-Serie der Eawag «WASH in Developing Countries». Christian Zurbrügg wird den für die Eawag wichtigen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit bezüglich Siedlungshygiene und Wasser in der Direktion stärken.

 

Für die Wahlgeschäfte vgl. die separate Medienmitteilung des ETH-Rats
(Publikation 22. Mai 2015, ca. 14:00 Uhr).