ETH-Rat, 20. Mai 2011

Der ETH-Rat hat an seiner Sitzung vom 18./19. Mai 2011 in Lausanne mit Freude von den aktuellen Erfolgen der ETH Zürich und der EPFL im Wettbewerb um europäische Flaggschiffprojekte Kenntnis genommen. Eine Umsetzung dieser Erfolge wird zusätzliche Bundesmittel erfordern. Denn exzellente nationale Infrastrukturen und eine nachhaltige Finanzierung des Grundauftrags in Lehre, Forschung und Wissenstransfer bleiben für den ETH-Rat unverzichtbare Voraussetzungen für den internationalen Erfolg der Schweiz.

«Der grossartige Erfolg von Forschungsprojekten unter Führung oder Beteiligung von Institutionen des ETH-Bereichs beim Wettbewerb um Europäische-Flaggschiffprojekte belegt die Qualität des Forschungsplatzes Schweiz», freut sich Dr. Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats. Die EU wird aber nur einen Teil der über mehrere Jahre erforderlichen Projektmittel finanzieren. Sie erwartet, dass die erfolgreichen Projekte nationale Ressourcen in Form von Barmitteln sowie Sachleistungen erschliessen. Im Rahmen seiner strategischen Führungsaufgabe hat der ETH-Rat an seiner Sitzung vom 18./19. Mai 2011 in Lausanne daher vertieft Finanzierungskonzepte diskutiert. Der Rat stellte fest, dass bestens funktionierende Infrastrukturen bestehen, welche Sachleistungen zu Gunsten der erfolgreichen Projekte „Guardian Angels“, „Human Brain Project“ und „FuturICT“ erbringen könnten. Dies gilt namentlich für das Hochleistungsrechennetzwerk HPCN und für das Nationale Forschungsprogramm Nano-Tera. Bareinlagen dürfen nach Meinung des ETH-Rats nicht zu Lasten der Erfüllung des Grundauftrags des ETH-Bereichs in Lehre, Forschung sowie Wissens- und Technologietransfer gehen. «Für diese Flaggschiffprojekte muss deshalb im Rahmen der anstehenden politischen Debatte über Bildung, Forschung und Innovation 2013-2016 über eine weitere Finanzierung gesprochen werden», sagt Fritz Schiesser.

Weiterhin will sich der ETH-Rat für nationale Forschungsinfrastrukturen und Grossprojekte einsetzen, die eine Voraussetzung sind für Exzellenz auf globalem Niveau. Der ETH-Rat gratulierte daher den Partnern IBM und ETH Zürich sowie der ebenfalls beteiligten Empa zum gelungenen Start des Binnig Rohrer Nanotechnology Center in Rüschlikon ZH. Er zeigte sich zudem erfreut über den Fortschritt des Freie Elektronen Röntgenlaser-Projekts SwissFEL am PSI in Würenlingen AG. Der ETH-Rat befasste sich sodann mit der Weiterentwicklung des Hochleistungsrechennetzwerks HPCN und seines künftigen Zentrums in Lugano in den Jahren 2013-2016. Der Rat nahm auch von der positiven Evaluation des Blue Brain-Projektes der EPFL Kenntnis, welche das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) in Auftrag gegeben hatte. Beide Geschäfte gehen nun zur weiteren Behandlung an den Bund. «Natürlich brauchen sowohl wissenschaftliche Grossprojekte als auch kleinere Initiativen von einzelnen Forschenden und Forschungsteams finanzielle Mittel. Dies sollte aber nicht als Konkurrenz gesehen werden, denn Grossprojekte sind Plattformen, von denen auch kleinere Forschungsvorhaben profitieren können»,sagt Prof. Dr. Paul L. Herrling, Vize-Präsident des ETH-Rats.

Erfolgreiche Kompetenzzentren mit Schwerpunkten bei Energie und Nachhaltigkeit

Anhand der jährlichen Berichte der vier Kompetenzzentren Energie und Mobilität (CCEM), Umwelt und Nachhaltigkeit (CCES), Materialwissenschaften und Technologie (CCMX), Biomedizinische bildgebende Verfahren (NCCBI) sah der ETH-Rat den Wert der Zusammenarbeit innerhalb des ETH-Bereichs bestätigt: Die zur Verfügung gestellten Mittel wurden von zukunftsweisenden Projekten beansprucht, insbesondere auch im Rahmen des CCEM. Die zentrale Rolle der langfristig ausgerichteten Energieforschung an allen sechs Institutionen des ETH-Bereichs hatte der ETH-Rat bereits an seiner Jahresmedienkonferenz vom 27. April 2011 aufgezeigt. «Aufgrund der aktuellen politischen Debatte ist der ETH-Bereich sicher aufgefordert, die Forschung zur nachhaltigen und ressourcensparenden Energiebereitstellung sowie zur Energieeffizienz zu stärken. Alle sechs Institutionen des ETH-Bereichs verfügen auf diesem Gebiet über je eigene, hohe Kompetenzen, und die Kompetenzzentren des ETH-Bereichs sind erprobte Gefässe für die Zusammenarbeit», sagt Fritz Schiesser.

Personalentscheide für den ETH-Bereich

Weiter hat der ETH-Rat auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr. Ralph Eichler, Prof. Dr. Heidi Wunderli-Allenspach, Prof. Dr. Roland Siegwart, Prof. Dr. Roman Boutellier und Dr. Robert Perich als Mitglieder der Schulleitung für die am 1. September 2011 beginnende Amtsdauer wiedergewählt. Ebenso hat er drei bisherige Direktionsmitglieder der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft bestätigt und zwei neue ernannt (siehe separate Mitteilung).

Die Präsidenten von ETH Zürich und EPFL haben den ETH-Rat sodann über die Professurenplanung der kommenden Jahre informiert. Auch hat der ETH-Rat auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich acht ordentliche Professoren, fünf Assistenzprofessorinnen und Assistenzprofessoren mit und sechs ohne Tenure Track ernannt. Weiter hat er an der ETH Zürich fünf Assistenzprofessorinnen und Assistenzprofessoren wiederernannt sowie sechs Forschenden den Titel eines Titularprofessors verliehen. Auf Antrag des Präsidenten der EPFL hat der ETH-Rat die Anstellung zweier ordentlicher Professoren verlängert, drei ausserordentliche Professoren sowie eine Assistenzprofessorin mit Tenure Track ernannt und fünf Assistenzprofessorinnen und Assistenzprofessoren mit Tenure Track wiederernannt. Schliesslich hat der ETH-Rat die privatrechtliche Anstellung eines ausserordentlichen Professors an der EPFL verlängert (zu den namentlichen Ernennungen siehe separate Mitteilung).