27. September 2013

Der ETH-Rat hat auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr.Ralph Eichler, und des Präsidenten ad interim der EPFL, Prof. Dr. Philippe Gillet, an seiner Sitzung vom 25./26. September 2013 insgesamt 11 Personen zur Professorin oder zum Professor ernannt, acht Professorenrücktritte mit Verdankung zur Kenntnis genommen und einen Professorentitel verliehen.

Ernennung ETH Zürich und EPFL

Prof. Dr. Gabriel Aeppli (*1956), zurzeit Quain Professor am University College, London, zum ordentlichen Professor für Physik an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Zürich und Lausanne. Gabriel Aeppli ist ein international preisgekrönter Festkörperphysiker mit enorm breitem Interessengebiet. Speziell bekannt ist er für seine spektroskopischen Arbeiten zum Magnetismus ungeordneter Systeme und zu Hochtemperatur­supraleitern. Mit dem London Centre for Nanotechnology hat er in kurzer Zeit ein führendes Wissenschafts- und Technologiezentrum aufgebaut. Gabriel Aeppli wird am PSI die Leitung des Bereichs Synchrotronstrahlung und Nanotechnologie übernehmen. Parallel dazu wird er sowohl an der ETH Zürich als auch an der EPFL unterrichten. Die beiden Hochschulen können dadurch unter anderem ihre Verbindungen zur Forschungsanstalt PSI stärken.

Ernennungen ETH Zürich

Prof. Dr. Charalampos Anastasiou (*1974), zurzeit ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich, zum ordentlichen Professor für Theoretische Teilchenphysik. Charalampos Anastasiou ist ein hoch angesehener Teilchenphysiker. In den letzten Jahren fokussierte er unter anderem auf die theoretische Beschreibung und die Interpretation der experimentellen Daten des Large Hadron Collider am CERN in Genf. Seine Berechnungen und Erkenntnisse rund um das lange gesuchte Higgs Boson und die Eigenschaften dieses Elementarteilchens erwiesen sich als wegweisend. In jüngster Zeit hat Charalampos Anastasiou neue Projekte lanciert, die über das Standardmodell der Teilchenphysik hinausgehen. Damit ist es ihm gelungen, erfah­rene Modellbildner nach Zürich zu bringen und den internationalen Ruf der Gruppe für Teilchen­physik der ETH Zürich weiter auszubauen.

Dr. Lucie Tajčmanová (1978), zurzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ETH Zürich, zur Assistenzprofessorin für Metamorphe Petrologie. Lucie Tajčmanovás 2013 mit einem ERC Starting Grant gewürdigte Forschung untersucht, wie die an der Oberfläche beobachtete Mineralogie eines Gesteines dazu benutzt werden kann, seine ursprünglichen Bildungsbedingungen zu bestimmen. Die bisher dafür verwendeten Modelle sind verbesserungsbedürftig. Lucie Tajčmanová soll deshalb mit einer eigenen Forschungsgruppe die Wechselwirkungen zwischen Metamorphose und Deformation von Gesteinen in der Lithosphäre vertieft analysieren. Im Departement Erdwissenschaften wird sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen den geologi­schen und petrologischen Gruppen einnehmen.

Prof. Dr. Jan Vermant (*1968), zurzeit ordentlicher Professor an der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, zum ordentlichen Professor für Weiche Materialien. Im Zentrum der Forschungsinteressen von Jan Vermant stehen weiche Materialien (z. B. Gele, Polymerschmelzen oder Gummi) und deren Grenzflächen. Weitere Forschungsgebiete liegen im Bereich von Ver­bundwerkstoffen aus weicher Materie sowie kolloiden Systemen und Bakterien. Mit der Berufung von Jan Vermant gewinnt die ETH Zürich einen weltweit anerkannten Spitzenforscher. Seine hoch innovativen Forschungsarbeiten, die sich von der Biologie über die Chemie bis hin zur Physik erstrecken, werden die Spitzenposition der ETH Zürich in der Materialwis­sen­schaft weiter stärken.

Prof. Dr. Hans Jakob Wörner (*1981), zurzeit Assistenzprofessor an der ETH Zürich, zum ausserordentlichen Professor für Physikalische Chemie. Hans Jakob Wörner ist einer der international renommiertesten Wissenschafter im Gebiet der zeitaufgelösten Spektroskopie. Seine preisgekrönten Forschungsarbeiten kombinieren Theorie und Experimente auf höchstem Niveau und haben die Messung der Quantendynamik von Elektronen revolutioniert. Dabei hat er Methoden entwickelt, die für die Untersuchung schneller Elektronenprozesse in der Chemie, der Biologie und der Materialwissenschaft von höchster Bedeutung sind. Mit der Berufung von Hans Jakob Wörner erhält sich die ETH Zürich einen talentierten Wissenschafter in einem Forschungsgebiet mit hohem Potenzial.

Prof. Dr. Mehmet Fatih Yanik (*1977), zurzeit ausserordentlicher Professor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, zum ordentlichen Professor für Neurotechnologie. Mehmet Fatih Yaniks Forschungsschwerpunkte dienen dem Ver­ständnis und der Entschlüsselung komplexer neuronaler Systeme. Der weltweit anerkannte Wissenschafter arbeitet mit Metho­den und Verfahren der Mikrofluidik, der Mikromanipulation, der schnellen optischen Mikroskopie, des maschinellen Lernens, der Quantenphysik, der Biochemie und der Genetik. An der ETH Zürich wird Mehmet Fatih Yanik diese Vielfalt in die Lehre einbringen und die Studierenden in innovative Laborkonzepte einführen (zum Beispiel DNA Hybridi­sierung, Mikrofluidik oder 2-Photon Mikrosko­pie).

Ernennungen EPFL

Prof. Dr. Alexis Berne (*1975), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessor an der EPFL, zum ausserordentlichen Professor für Umwelt-Fernerkundung. Alexis Berne ist ein international anerkannter Spezialist für Fernerkundung, Hydrometeorologie und Geostatistik. Eines seiner bekanntesten Projekte ist die Analyse der zeitlichen und räumlichen Variabilität von Niederschlägen mittels eines speziell angepassten Radarsystems. Die Ergebnisse führten zu neuen Erkenntnissen über die hydrologischen Abflusssysteme. Für die Modellierung von Umweltrisikomodellen erlaubte dies grosse, für die Praxis der Risikoprävention bedeutende Fortschritte. Mit der Beförderung von Alexis Berne erhält sich die EPFL einen innovativen Forscher, der die Lehre mit seinen Ansätzen und Methoden stark bereichert.

Prof. Dr. Rizlan Bernier-Latmani (*1972), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessorin an der EPFL, zur ausserordentlichen Professorin für Umwelt-Mikrobiologie. Rizlan Bernier-Latmani ist eine exzellente Wissenschafterin und hat zu verschiedenen Fragestellungen der Umwelt-Mikrobiologie bedeutende Beiträge geleistet. Ihr Augenmerk gilt insbesondere dem biologischen Abbau metallischer Verschmutzungen (etwa durch Uran, Chrom oder Selen) in organischen Materialien. Ihre Methoden kombinieren Know-how und Anwendungen aus Spektroskopie, Mikroskopie, Genetik und Geochemie. Mit diesem einzigartigen Ansatz ermöglicht Rizlan Bernier-Latmani Entwicklungen in gesellschaftlich und ökonomisch wichtigen Fragen wie der Endlagerung nuklearer Abfälle in unterirdischen Lagern.

Prof. Dr. Nicolai Cramer (*1977), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessor an der EPFL, zum ausserordentlichen Professor für organische Chemie. Nicolai Cramer ist ein sehr kreativer Forscher im Bereich der asymmetrischen Katalyse und der organischen Synthese. Er entwickelte in den letzten Jahren hoch innovative katalytische Prozesse zur Aktivierung inerter Bindungen und zu deren Einsatz in der Synthese biologisch aktiver Moleküle. Nicolai Cramers Resultate platzierten ihn an der internationalen Spitze seines Forschungsfelds. Mit seiner Beförderung sichert sich die EPFL die Schaffenskraft eines erfolgreichen Wissenschafters, der wesentliche Beiträge zu ihrer weltweiten Positionierung und zur Ausbildung von Chemikern und Chemieingenieuren leisten wird.

Prof. Dr. Victor Panaretos (*1982), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessor an der EPFL, zum ausserordentlichen Professor für Statistik. Victor Panaretos ist ein erstklassiger Statistiker und gilt als Experte in der Analyse funktioneller Daten und stochastischer Prozesse. Eines seiner Spezialgebiete sind inverse Probleme. Dabei handelt es sich um schwierigste Fragestellungen, bei denen von einer beobachteten oder gewünschten Wirkung eines Systems auf die der Wirkung zugrunde liegende Ursache geschlossen wird. Beachtung fand er auch mit seinen Untersuchungen zur statistischen Voraussage der Entwicklung von Epidemien auf der Basis erster partieller Daten in deren Anfangsstadium. Victor Panaretos wird mit seinen Resultaten wichtige Beiträge zu verschiedensten Forschungsprojekten an der EPFL und anderen wissenschaftlichen Institutionen wie dem CERN leisten.

Prof. Dr. Berend Smit (*1962), zurzeit ordentlicher Professor an der University of California, in Berkeley, USA, zum ordentlichen Professor für Chemietechnik. Berend Smit ist ein hoch renommierter Forscher mit Fokus auf die molekulare Modellierung. In den letzten Jahren leitete er das Energy Frontier Research Center in Berkeley, das innovative Technologien zur Abtrennung, Bindung und Speicherung von Kohlendioxid aus Gasgemischen entwickelt. Die von ihm konzipierten Simulationsmethoden erlauben Voraussagen zur Interaktion zwischen einem Gasfluss und den zu seiner Bindung eingesetzten Stoffen. Berend Smit bewegt sich in diesen Fragen weltweit an der Spitze. Seine Berufung wird die Energie-forschung an der EPFL weiter stärken und zum Erfolg des Zentrums EPFL Valais Wallis beitragen.

Verleihung des Titels „Professor“

Dr. Hans Martin Schmid (*1959), Senior Scientist am Institut für Astronomie der ETH Zürich, zum Titularprofessor der ETH Zürich. Hans Martin Schmid ist ein international beachteter Experte in der spektroskopischen Untersuchung astronomischer Objekte. Mit seinen Arbeiten trägt er unter anderem dazu bei, neue Exoplaneten zu finden.

Verabschiedungen ETH Zürich

Prof. Dr. Gaston H. Gonnet (*1948), zurzeit ordentlicher Professor für Informatik, wird am 1. Februar 2014 in den Ruhestand treten. Gaston Gonnet hat seit seinem Ruf an die ETH Zürich 1990 wertvolle Beiträge auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Anwendung des Com­puters geleistet. Seine Arbeiten ermöglichten unter anderem den immer effizienteren Einsatz von Infrastrukturmitteln und der vorhandenen Rechnerleistung. Wenn immer möglich wirkte Gaston Gonnet in Projekten an der Basis mit und kümmerte sich um Aspekte wie System Software und Programmieren. Dies befähigte ihn zu einem praxisnahen, aus dem Fundus eigener Erfahrung schöpfenden Unterricht. Seine guten Kontakte zur Industrie führten zudem zu diversen Fir­mengründungen.

Prof. Dr. Jürg Gutknecht (*1949), zurzeit ordentlicher Professor für Informatik, wird am 1. Februar 2014 in Pension gehen. Schwerpunkte von Jürg Gutknechts Forschung waren die komponentenorientierte Softwareentwicklung und die Vereinheitlichung der prozess- und objektorientierten Modellierung. Dabei engagierte er sich unter anderem für die Weiterent­wicklung und Verbreitung der Programm-Entwicklungswerkzeuge, die unter dem Namen Oberon dem Institut für Computersysteme eine international anerkannte Stellung eingebracht haben. Jürg Gutknecht wirkte seit 1985 an der ETH Zürich, seit 2002 als ordentlicher Professor. Als langjähriger Vorsteher des Departements Informatik und des Instituts für Computersysteme leistete er wesentliche Beiträge zu deren Aufbau und Entwicklung.

Prof. Dr. Ive Hermans (*1980), zurzeit Assistenzprofessor für Heterogene Katalyse, wird die ETH Zürich per 31.12.2013 verlassen. Er verlässt die ETH Zürich, um einem Ruf auf eine Position als Associate Professoran der University of Wisconin-Madison in Madison, USA, zu folgen.

Prof. Dr. Rolf Kappel (*1948), zurzeit ordentlicher Professor für Probleme der Entwicklungsländer, wird auf den 1. Februar 2014 in den Ruhestand treten. Rolf Kappel wirkte seit 1992 als ordentlicher Professor für Probleme der Entwicklungsländer und Leiter des Nachdiplomstudiums für Entwicklungsländer an der ETH Zürich. Seine Schwerpunkte waren wirtschaftspolitische und institutionelle Refor­men sowie Umwelt- und Ressourcenpolitik in Entwicklungsländern. Weiter befasste er sich mit den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie mit strategischen Fragen der Entwicklungs­politik. Parallel dazu engagierte sich Rolf Kappel in verschiedenen leitenden Funktionen und Gremien für die ETH Zürich und für das Departement Geistes-, Sozial- und Staats­wissen­schaften.

Prof. Dr. Timothy J. Richmond (*1948), zurzeit ordentlicher Professor für Kristallographie biologischer Makromoleküle, wird am 1. Februar 2014 in Pension gehen. Timothy Richmond wurde 1987 als ordentlicher Professor an die ETH Zürich berufen. Sein Interesse galt insbesondere biologischen makromolekularen Komplexen. Zusammen mit seiner Gruppe erforschte er mit verschiedensten biophysikalischen und biochemischen Techniken unter anderem die Organisation von DNA in Chromosomen sowie die Regulation von Genexpression in höheren Lebewesen. Timothy Richmond erhielt während seiner Karriere diverse hochdotierte Preise; 2006 erhielt er den Marcel-Benoist-Preis in Anerkennung seines Werkes, das die Struktur des Nukleosoms in atomarer Auflösung klärt.Für die ETH Zürich setzte er sich in verschiedenen Gremien und leitenden Funktionen ein.

Verabschiedungen EPFL

Prof. Dr. Christina Fragouli (*1972), zurzeitausserordentliche Professorin für Informatik und Kommunikation, hat einen Ruf als ausserordentliche Professorin an die University of California in Los Angeles, USA, erhalten und wird diesem folgen. Damit sie die in ihrem Labor laufenden Doktorarbeiten fertig betreuen kann, gewährt ihr die EPFL unbezahlten Urlaub bis am 30. September 2015.

Prof. Dr. Jacques Jacot (*1949), zurzeit ordentlicher Professor für Montagetechnik, wird am 1. August 2014 in den Ruhestand treten. Jacques Jacot wirkte seit 1994 an der EPFL und wurde 1998 zum ordentlichen Professor am Institut für Mikrotechnik gewählt. Während seiner Karriere prägte er die Aus- und Weiterbildung von Generationen von Maschinen- und Mikrotechnik-Ingenieuren in Bereichen wie Montagetechnik, Produktentwicklung und Produktionsmethoden. Seine Forschungs- und Lehraktivität gestaltete Jacques Jacot in enger Kooperation mit der Mikrotechnologie- und Uhrenindustrie. Damit leistete er bedeutende Beiträge zur Lösung konkreter Probleme, förderte den Technologietransfer und stärkte die Reputation der EPFL als Know-how-Trägerin.

Prof. Dr. Jian Zhao (*1960), zurzeit ordentlicher Professor für Felsmechanik und Tunnelbau, hat einen Ruf als ordentlicher Professor an die Monash University in Melbourne, Australien, erhalten und wird diesem folgen. Damit er die in seinem Labor laufenden Doktorarbeiten fertig betreuen kann, gewährt ihm die EPFL unbezahlten Urlaub bis am 30. September 2015.

Der ETH-Rat verdankt die Leistungen der scheidenden Professorinnen  in Wissenschaft, Lehre und akademischer Verwaltung.