27. November 2014

Der Präsident des ETH-Rats, Fritz Schiesser, hat heute im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard und den CEO von bundesnahen Betrieben eine Absichtserklärung unterzeichnet und ein gemeinsam erarbeitetes Massnahmenpaket zur Steigerung der Energieeffizienz vorgestellt. Gleichzeitig wurde hierzu der «Startbericht 2014 Energie-Vorbild Bund» publiziert. Der ETH-Bereich nimmt damit seine Rolle als Energie-Vorbild aktiv wahr und unterstützt den Bund bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050  – dies nicht nur durch Lehre und Forschung, sondern auch bei Infrastruktur und Betrieb im ETH-Bereich.

Mit fast 20‘000 Mitarbeitenden, mehr als 28‘000 Studierenden, einem Immobilienportfolio von über 500 Gebäuden und Anlagen und einem Energiebedarf von 450 Gigawatt-Stunden oder rund 19'000 Zwei-Personenhaushalten pro Jahr ist der ETH-Bereich auch energetisch ein Schwergewicht. Die steigenden Studierenden­zahlen sowie der Ausbau und die zunehmende Technologisierung von Lehre, Forschung und Gebäuden sind für den Gesamtenergieverbrauch des ETH-Bereichs eine Herausforderung. Entsprechend ambitiös ist das Energieeffizienzziel des ETH-Bereichs, bis 2020 eine Effizienzsteigerung von mindestens 25% gegenüber dem Referenzjahr 2006 zu erreichen.

Höhere Energieeffizienz, tieferer pro-Kopf-Energieverbrauch

In der Zeitperiode 2006 bis 2013 konnte der ETH-Bereich die Energieeffizienz bereits um 15% verbessern. Wenn zusätzlich die Effizienzsteigerung der Grossrechneranlage im Rechenzentrum CSCS in Lugano mitberücksichtiget wird, erreicht der ETH-Bereich schon heute einen Wert von über 26%. Beim Gesamtenergieverbrauch konnte der Anteil der erneuerbaren Energien in der gleichen Zeitperiode um 50% gesteigert werden. Zudem gelang es, den pro-Kopf-Energieverbrauch um 13% zu senken – dies indem die Gebäudetechnik konsequent modernisiert, Abwärme vermehrt genutzt und in möglichst energieeffiziente Grossforschungsanlagen investiert wird.

Stellvertretend für diesen gesamtheitlichen Ansatz im Energiemanagement des ETH-Bereichs steht der Neubau des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums CSCS in Lugano. Das Gebäude wurde gemäss nachhaltigen Kriterien errichtet und erfüllt den Minergie-Eco-Standard. Das Rechenzentrum selbst gehört zu den energieeffizientesten Rechenzentren der Welt. Und im CSCS ist nicht nur der schnellste Supercomputer Europas in Betrieb, sondern zugleich auch der energieeffizienteste weltweit in der Klasse der Petaflop-Computer.

Kernkompetenz Energieforschung

Einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Energiestrategie 2050 kann der ETH-Bereich mittels seiner Kernkompetenz leisten, wenn es um das Thema «Energie» geht – die Energieforschung. Sie ist im ETH-Bereich bereits seit Jahren ein zentrales Forschungsfeld, und mit den beiden ETH und den vier Forschungsanstalten deckt der ETH-Bereich die ganze Wertschöpfungskette ab – von der Grundlagenforschung bis zur produktnahen Entwicklung, die der Industrie und innovativen KMU in der Schweiz zu Gute kommt.

Im Vordergrund der Energieforschung im ETH-Bereich stehen die Reduktion von CO2-Emissionen sowie energieeffiziente Prozesse. Über 70% der Mittel, die der ETH-Bereich für die Energieforschung zur Verfügung hat, wird in die Erforschung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz investiert.

Zu den Forschungsthemen des ETH-Bereichs gehören etwa die Speicherung von nachhaltig erzeugter Energie oder sogenannte «Smart Grids», d.h. intelligente Strom-, Übertragungs- und Verteilnetze. Ein weiteres Beispiel ist die Pilotanlage beim PSI für die Umwandlung von Biomasse (wie Holz, Klärschlamm, Algen oder Landwirtschaftsabfällen) in Methan und dessen Nutzung für die Gasversorgung, als Treibstoff oder zur Stromerzeugung. Für den motorisierten Verkehr wird im ETH-Bereich daran geforscht, wie Abgase durch Umwandlung wieder als flüssiger Treibstoff verwendet werden können. Bei der Empa mit ihren Kernkompetenzen in Materialwissenschaften und Technologieentwicklung haben bereits heute fast 40% der gesamten Forschungsaktivitäten einen Bezug zum Energiebereich, meist in enger Kooperation mit der Industrie.

Neben neuen Forschungsprojekten und Studiengängen übernimmt der ETH-Bereich bei den neuen nationalen Kompetenzzentren für die Energieforschung (Swiss Competence Centers for Energy Research, SCCER) eine führende Rolle. Diese werden in für die Energieforschung prioritären Aktionsfeldern tätig sein - wie bspw. Energieeffizienz und Energiesysteme, Speicherung oder Mobilität. In sieben der insgesamt acht Kompetenzzentren hat eine Institution des ETH-Bereichs die Verantwortung als sogenanntes «Leading House» übernommen. Mit diesen Kompetenzzentren können die Institutionen des ETH-Bereichs in Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und der Industrie Synergien nutzen, um eine grösstmögliche Hebelwirkung in der Energieforschung zu erzielen.