Exzellente Forschung für die Herausforderungen
unserer Zeit

Mit seiner qualitativ hochstehenden Lehre und Forschung kommt dem ETH-Bereich auch eine grosse Verantwortung im Umgang mit aktuellen Herausforderungen zu. Im Fokus stehen dabei Themen wie Klimawandel, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen oder die digitale Transformation. Verlässliche bildungspolitische Rahmenbedingungen, aber auch wirkungsvolle Strukturen, sind wichtige Voraussetzungen, um diese Verantwortung wahrzunehmen.

«Ausserordentliche Qualität», «einzigartige Positionierung», «wichtige Innovationsdrehscheibe» — die international zusammengesetzte Expertengruppe der Zwischenevaluation 2019 betonte die grosse Leistung und die zentrale Bedeutung des ETH-Bereichs sowohl innerhalb der Schweizer Hochschullandschaft als auch im Vergleich mit Bildungs- und Forschungsinstitutionen weltweit. Die Zwischenevaluation des ETH-Bereichs, die im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) jeweils in der Mitte der laufenden BFI-Periode durchgeführt wird, bestätigt damit die exzellente Arbeit, die an den sechs Institutionen geleistet wird. Die beiden ETH gehören zu den weltweit besten universitären Hochschulen. Dies belegen auch die verschiedenen internationalen Rankings, in denen die beiden Schulen 2019 erneut hervorragend positioniert sind (s. Abb. 16 und 17, S. 93).

Grosse Forschung im Brennpunkt:
nachhaltige Entwicklung und Digitalisierung

Mit ihrer exzellenten Forschung und Bildung können die Institutionen des ETH-Bereichs einen wichtigen Beitrag leisten im Umgang mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen, denen sich unser Land zu stellen hat. Im Rahmen der Spitzentreffen zur Erarbeitung der BFI-Botschaft 2021–2024 wurden einige dieser Herausforderungen als zentrale «Stossrichtungen» für alle BFI-Förderbereiche benannt. Es sind dies beispielsweise die nachhaltige Entwicklung oder die digitale Transformation. Beide Bereiche sind auch Schwerpunkte der Forschungstätigkeit im ETH-Bereich.

Mit einem neuartigen digitalen 3D-Druckverfahren für Beton der ETH Zürich lassen sich unendlich viele Designmöglichkeiten umsetzen wie für die Säulen «Concrete Choreography». Foto: Andreas Eggenberger/ETH Zürich
Mit einem neuartigen digitalen 3D-Druckverfahren für Beton der ETH Zürich lassen sich unendlich viele Designmöglichkeiten umsetzen wie für die Säulen «Concrete Choreography». Foto: Andreas Eggenberger/ETH Zürich

 

Im breiten Themenfeld der nachhaltigen Entwicklung legen die Institutionen einen besonderen Fokus auf die Energieforschung. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Aktionsplan «Koordinierte Energieforschung Schweiz» als Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 des Bundes. In der aktuellen BFI-Periode ist die Energieforschung zudem einer der vier Strategischen Fokusbereiche, die der ETH-Rat definiert hat. Anspruchsvolle Aufgaben wie der nachhaltige Umbau der Schweizer Energieproduktion, die Reduktion von CO2-Emissionen oder die Effizienzsteigerung im Energiesystem werden in einer Vielzahl von Forschungsprojekten angegangen. 2019 wurde die Energieforschungsplattform ReMaP (Renewable Management and Real-Time Control Platform) in Betrieb genommen. Diese widmet sich vernetzten Fragestellungen, beispielsweise zur Veränderung des Stromverbrauchs bei lokaler Energiespeicherung. Indem bereits bestehende Forschungs- und Technologietransferplattformen im ETH-Bereich verbunden werden, erschliessen sich Zusammenhänge zwischen Verteilnetz, Energiemanagement, Gebäuden und Mobilität. Die Institutionen des ETH-Bereichs beteiligten sich auch an der Ausarbeitung von SWEET (Swiss Energy Research for Energy Transition), dem Nachfolgeprogramm des Bundesamts für Energie (BFE) zum Aktionsplan «Koordinierte Energieforschung».

Was die digitale Transformation anbelangt, so forschen die Institutionen des ETH-Bereichs intensiv an den technologischen Grundlagen und wenden sie auf den verschiedensten Gebieten an. Alle drei Strategischen Fokusbereiche des ETH-Bereichs «Personalisierte Gesundheit», «Datenwissenschaften» und «Advanced Manufacturing» beinhalten zentrale Aspekte der Digitalisierung. Seit geraumer Zeit verstärken die beiden ETH ihre Kapazitäten insbesondere im Bereich der Computerwissenschaften und der Informations- und Kommunikationstechnologie. Hierzu gehören die sieben zusätzlichen Professuren, die die ETH Zürich und die EPFL im Rahmen des Aktionsplans «Digitalisierung» des Bundes einrichten. 2019 konnten bereits fünf davon besetzt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der sicherheitstechnischen Herausforderung im digitalen Umfeld. Die beiden ETH starteten 2019 erfolgreich das gemeinsame Masterprogramm Cyber Security. Im Herbst wurden zudem Teile des Cyber-Defence Campus des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) an der EPFL und der ETH Zürich eröffnet. Der Campus dient der Früherkennung der rasanten Entwicklungen im Cyber- Bereich und der Arbeit an neuen Technologien zur Gefahrenabwehr.

Im Dialog mit Politik und Gesellschaft

Zu einer verantwortungsvollen Wissenschaft gehört es, angesichts aktueller Entwicklungen und Herausforderungen eine Beratungsfunktion zuhanden der Politik zu übernehmen, um faktenbasiertes Entscheiden zu ermöglichen. Gerade im aktuellen Kontext von Fake News und hoch personalisierten und polarisierenden Debatten ist das Vertrauen in die Wissenschaft und ihre Prozesse von grösster Wichtigkeit. Im abschliessenden Bericht der Zwischenevaluation wird denn auch nachdrücklich auf die Notwendigkeit verwiesen, dass die Wissenschaft «ein Gesicht erhält» und die Experten aus dem ETH-Bereich sich mit beratender Stimme in den politischen Aushandlungsprozess einbringen.

Was die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft anbelangt, so wird diese beim Thema digitale Transformation besonders deutlich. Das stetig ausgebaute und auf aktuelle Bedürfnisse der verschiedenen Berufszweige angepasste Weiterbildungsangebot der Institutionen des ETH-Bereichs will mithelfen, die Gesellschaft für das digitale Zeitalter fit zu machen. Von besonderer Bedeutung ist die Ausbildung der jungen Generation. Die beiden ETH unterstützen beispielsweise die Stärkung des Informatikunterrichts an den Schulen mit Aus- und Weiterbildungskursen für Lehrpersonen oder der Ausarbeitung von Lehrplänen.

Verlässliche Rahmenbedingungen,
wirkungsvolle Strukturen

Um auch in Zukunft exzellente Forschung und Bildung für die Herausforderungen unserer Zeit zu betreiben zu können, sind verschiedene Faktoren zentral. In ihren Empfehlungen sprechen die Experten der Zwischenevaluation mehrere wichtige Rahmenbedingungen an. Eine stabile und verlässliche Finanzierung durch den Bund ist eine davon. In diesem Kontext ist auch die Autonomie des ETH-Bereichs und seiner sechs Institutionen bei der Verwendung der finanziellen Mittel entscheidend. Dies trifft auch auf die freien, strategischen Reserven zu, die den Institutionen Handlungsspielraum zugunsten neuer Wissenschaftsgebiete und -initiativen ermöglichen. Die vom ETH-Rat verabschiedeten neuen Richtlinien für die Reservepolitik im ETH-Bereich legen u. a. Richtgrössen und Grundsätze für die Bewirtschaftung fest. Als weitere wichtige Rahmenbedingung betonte das Expertengremium die internationale Offenheit des ETH-Bereichs. Der Zugang zu den länderübergreifenden Forschungsförderungsprogrammen wie «Horizon Europe» ist zentral für die Attraktivität und das internationale Netzwerk des Forschungsstandorts Schweiz. Neben den äusseren Rahmenbedingungen setzte sich die Zwischenevaluation auch mit der historisch gewachsenen Struktur des ETH-Bereichs auseinander. Die Experten empfahlen, die vom ETH-Rat angestossene Überprüfung dieser Struktur weiterzuführen, um die Agilität und Flexibilität des ETH-Bereichs zu erhöhen und dessen Entwicklung auf zukünftige Bedürfnisse auszurichten. Der ETH-Rat hat im September den strategischen Grundsatzentscheid gefällt, WSL und Eawag mittelfristig zu einem Forschungsinstitut für Umwelt und Nachhaltigkeit von internationaler Strahlkraft zusammenzuführen. Ende 2019 wurde die Anhörung der Institutionen des ETH-Bereichs zu diesem Vorhaben eröffnet. Damit soll die Forschung im ETH-Bereich noch gezielter zu Lösungen für eine nachhaltige Zukunft unserer Gesellschaft beitragen und der Forschungsplatz Schweiz in den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit
weiter gestärkt werden.