ETH-Rat, 27. September 2018

An der Sitzung vom 26./27. September 2018 betonte der ETH-Rat die grosse Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit und Vernetzung für Bildung, Forschung und Innovation. Ohne Rahmenabkommen mit der EU besteht die Gefahr, dass die Schweiz von den EU-Forschungsrahmenprogrammen ausgeschlossen wird. Auch die Selbstbestimmungsinitiative, über die im November abgestimmt wird, gefährdet die internationale Zusammenarbeit und damit den Erfolg der Hochschulen und des Forschungsplatzes Schweiz.

Der ETH-Rat zeigte sich an seiner Sitzung vom 26./27. September besorgt über den Stand der Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU sowie die bevorstehende Abstimmung zur Selbstbestimmungsinitiative. Der ETH-Rat fordert die politischen Akteure auf, sich für stabile und verlässliche Beziehungen mit der Europäischen Union (EU) stark zu machen.

Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Ein Erfolgsfaktor der Schweizer Wissenschaft ist ihre starke internationale Vernetzung. Ohne Rahmenabkommen ist die Teilnahme an den EU-Forschungsrahmenprogrammen (EU-FRP) in Gefahr. Der internationale Wettbewerb ist für die Schweizer Bildungsinstitutionen wichtig, um an der Spitze zu bleiben. Daher sind für den ETH-Rat die internationalen Forschungsprogramme von grosser Bedeutung. Es gibt der Schweiz die Möglichkeit, sich mit den besten Forschenden auszutauschen und im Wettbewerb um Fördergelder zu bestehen. Die Förderprogramme der EU sind auch für die Schweizer Wirtschaft von Bedeutung. Schweizer KMU sind in mehr als 20 Prozent der Projekte mit Schweizer Beteiligung involviert. Ein Viertel aller finanziellen Beiträge an Schweizer Institutionen fliesst auch in KMU und in die Industrie. Die EU-FRP können nicht durch nationale Programme ersetzt werden. Ein Ausschluss aus diesen hätte mittel- und langfristig grosse Auswirkungen auf die Innovationskraft der Schweiz.

Selbstbestimmungsinitiative bringt Unsicherheit auch für den Forschungsplatz Schweiz

Am 25. November findet die Abstimmung zur Selbstbestimmungsinitiative statt. Der ETH-Rat ist der Ansicht, dass diese Initiative die guten und verlässlichen internationalen Beziehungen der Schweiz gefährdet und sich negativ auf die Schweizer Forschung auswirken würde. Unsicherheit ist Gift für die Forschung. Dies zeigte sich nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und dem damit verbundenen Ausschluss der Schweiz aus Horizon 2020 durch die EU. Die Schweiz war in der Folge an deutlich weniger Projekten beteiligt und erlitt zudem einen starken Rückgang bei den Projektkoordinationen und den erhaltenen Beiträgen.

Tanja Zimmermann zum neuen Mitglied der Direktion der Empa gewählt

Der ETH-Rat wählte an seiner Sitzung ausserdem Tanja Zimmermann zum neuen Mitglied der Direktion der Empa. Die gebürtige Hamburgerin absolvierte ein Studium in Holzwissenschaften und -technologie übernahm im Jahre 2001 die Leitung einer Forschungsgruppe an der Empa. Ab 2011 leitete sie die Abteilung «Angewandte Holzforschung». Es gelang ihr mit Neugier, Kreativität und wissenschaftlicher Kompetenz einem früher wenig beachteten Forschungsfeld internationales Renommee zu verschaffen. Mit ihrem Team entwickelte sie aus Holz und seinen Bestandteilen neue Materialien. Dazu gehören biobasierte 3-D-Tinten, die u.a in der Biomedizin verwendet werden können. In einer Wohneinheit für Studierende am NEST an der Empa testet sie verschiedene Holzanwendungen (z.B. antimikrobielles, magnetisches oder feuerfestes Holz). Seit September 2017 leitet Tanja Zimmermann das neue Departement «Functional Materials». Sie überzeugte die Berufungskommission mit ihren Führungsqualitäten und ihrer profunden wissenschaftlichen Expertise.