ETH-Rat, 02. Dezember 2011

Der ETH-Rat stellte sich an der letzten Sitzung seiner Amtsperiode klar hinter die Forderung nach mehr Mitteln für die Ausbildung exzellenter Fachkräfte an der ETH Zürich und an der EPFL. Die steigenden Studierendenzahlen sind notwendig für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Um die Qualität der Lehre zu sichern kann der ETH-Rat aber Abbaumassnahmen in anderen Bereichen nicht mehr ausschliessen und wird 2012 konkrete Möglichkeiten diskutieren. Zudem ernannte der ETH-Rat Führungspersonen für den ETH-Bereich.

2012 wird die Bundespolitik mit Blick auf die kommenden Jahre wegweisende Entscheide für den Bildungs-, Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz fällen. Angesichts zunehmender Lasten hatte der ETH-Rat bereits 2011 den Nachholbedarf des ETH-Bereichs transparent gemacht. Die Zahl der Studierenden im ETH-Bereich stieg zwischen 2000 (15‘592) und 2010 (24‘104) um 54,6%, der Finanzierungsbeitrag des Bundes aber nur um 24.8%. Gleichzeitig fehlen gemäss einer aktuellen Analyse von Economiesuisse und Swiss Engineering 15‘000 Fachkräfte aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). «Die steigenden Studierendenzahlen sind entscheidend für die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz», sagt Dr. Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats.

An der letzten Sitzung seiner Amtsperiode 2008-2011 diskutierte der ETH-Rat daher das Problem des ETH-Bereichs, die wachsende Zahl der Studierenden auszubilden ohne bei der Qualität Abstriche zu machen. ETH Zürich und EPFL haben das Wachstum bisher mit internen Massnahmen und Effizienzgewinnen bewältigt, aber diese Wege sind nun ausgereizt. «Hochstehende Lehre muss forschungsnah erfolgen, was Personal und Infrastrukturen erfordert», gibt Prof. Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich und Mitglied des ETH-Rats, zu bedenken. Seit 2008 hat die ETH Zürich durch Umlagerungen und dank Drittmitteln zwar rund 70 zusätzliche Professuren schaffen können, doch sind nun Investitionen in weitere Professuren, in Senior Scientists sowie in Praktikumsräume und Apparaturen notwendig. Die EPFL hat das Wachstum der Studierendenzahlen namentlich mit dem Engagement jüngerer Professorinnen und Professoren bewältigt, stösst aber bei den Infrastrukturen auf dem Campus an Grenzen. «Unsere Analysen zeigen, dass unsere Studierenden hauptsächlich aus der Westschweiz und aus dem unmittelbar benachbarten Ausland stammen sowie nach dem Abschluss zu 80% ins Berufsleben in der Schweiz übertreten», sagt Prof. Patrick Aebischer, Präsident der EPFL und Mitglied des ETH-Rats. Derzeit verdüstern sich die finanziellen Aussichten für Bildung, Forschung und Innovation, insbesondere für den ETH-Bereich. Der ETH-Rat hat daher beschlossen, sich anfangs 2012 an einer ausserordentlichen Sitzung mit konkreten Abbaumassnahmen zu befassen, welche zu Gunsten der Lehre getroffen werden können. «Die Schweiz kann es sich nicht leisten, die von der Wirtschaft und der Gesellschaft benötigten hochqualifizierten Studienabsolventinnen und Studienabsolventen aus Kostengründen nicht oder schlecht auszubilden, sondern muss investieren», sagt Hans Hess, Präsident von Swissmem und Mitglied des ETH-Rats.

Energieforschung: Besondere Anstrengungen verlangen besondere Ressourcen
Keine Konkurrenz darf gemäss ETH-Rat zwischen Lehre und Forschung aufkommen. Besondere Forschungsanstrengungen verlangen aus Sicht des ETH-Rats besondere Ressourcen. Beispielsweise hat der ETH-Bereich bereits bisher Kompetenzen in der Energieforschung aufgebaut und investiert dafür jährlich rund 140 Mio. CHF. Wenn zusätzliche Teams von Forschenden finanziert würden, könnte der ETH-Bereich seine Aktivitäten in einer Reihe von Aktionsfeldern ausbauen und so die gestellten Herausforderungen zielgerichtet angehen.

Zusätzlich hat der ETH-Rat eine Arbeitsgruppe eingesetzt und damit beauftragt, den bereits intensiven Wissens- und Technologietransfer der Institutionen des ETH-Bereichs weiter zu stärken und den Austausch mit Privaten zu erleichtern. «In der Forschung müssen wir ebenso in neue Innovationszusammenarbeit investieren wie in Leuchtturmprojekte. Die Zugänglichkeit der Forschung und die internationale Ausstrahlung visionärer und risikoreicher Forschungsvorhaben sind für Unternehmen Voraussetzungen für Investitionsentscheide», sagt Prof. Dr. Paul Herrling, Vize-Präsident des ETH-Rats.

Führungsentscheide zur Empa und der EPFL
Wahl ins Direktorium der Empa
Der ETH-Rat hat auf Antrag des Direktors der Empa, Prof. Gian-Luca Bona, Dr. Brigitte C. Buchmann (*1958) als Mitglied der Direktion der Empa per 1. September 2012 ernannt.

Dr. Brigitte C. Buchmann übernimmt als neues Mitglied der Direktion der Empa das Departement Mobiliät, Energie und Umwelt der Empa. Als promovierte Chemikerin leitet sie seit 2002 erfolgreich die Abteilung Luftfremdstoffe/Umwelttechnik mit über 30 wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Diese forscht über die atmosphärische Schadstoffverteilung und deren Bezug zu den emittierenden Prozessen. Brigitte Buchmann hat sich nach ihrer Dissertation 1988 an der Universität Zürich einen Namen durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten im Gebiet der NMR-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance Spectroscopy) geschaffen und nach dem Wechsel an die Empa im Bereich Luftfremdstoffe und Umwelttechnik spezialisiert. Schon bald leitete sie das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) und übernahm international Verantwortung im WCC (World Calibration Centre for surface ozone, carbon monoxide, methane and carbon dioxide) des GAW-Programms (Global Atmosphere Watch). Durch ihre Expertentätigkeit hat sie sich ein breites Netzwerk in verschiedenen Bereichen der Bundesämter, aber auch in internationalen Gremien aufgebaut. Sie hat sich ausserdem in der Lehre verdient gemacht und verfügt über ausgezeichnete Verbindungen zu verschiedenen Fachhochschulen.

Dr. Peter Hofer geht als stellvertretender Direktor und langjähriges Direktionsmitglied der Empa per 1. September 2012 in Pension. Im Zuge einer Nachfolgeregelung wurde ein neues Direktionsmitglied für das Departement Mobilität, Energie und Umwelt gesucht. Die Mitglieder der Empa-Direktion haben sich gemeinsam für Dr. Brigitte Buchmann als neues Direktionsmitglied entschieden.

Wiederwahl in den Vizepräsidien der EPFL
Der ETH-Rat hat auf Antrag des Präsidenten der EPFL, Prof. Dr. Patrick Aebischer, Vizepräsidentin Dr. Adrienne Corboud Fumagalli sowie Vizepräsident Prof. Dr. Philippe Gillet für die Periode vom 1. März 2012 bis 29. Februar 2016 wiedergewählt. Ebenso hat er Prof. Francis-Luc Perret im Sinne einer Ausnahme von den Altersrücktrittsbestimmungen nochmals für eine Amtszeit bis zum 28. Februar 2014 als Vizepräsident gewählt.

Dr. Adrienne Corboud Fumagalli (*1958) wurde als Vize-Präsidentin für Innovation und Valorisation der EPFL wiedergewählt. In dieser Funktion ist sie weiterhin für sämtliche Aktivitäten des Wissens- und Technologietransfers sowie für strategische Partnerschaften und Forschungskooperationen mit der Privatwirtschaft zuständig. Im Rahmen ihrer bisherigen erfolgreichen Tätigkeit hat sie insbesondere die Entwicklung des „Quartier de l’innovation“ der EPFL massgebend vorangetrieben. Bereits vor ihrer Wahl zur Vizepräsidentin der EPFL 2008 verfügte Adrienne Corboud Fumagalli über einen ausgezeichneten Leistungsausweis sowohl als Managerin bei renommierten Schweizer Unternehmen als auch in der Lehre und Forschung.

Prof. Dr. Philippe Gillet (*1958) wurde als Vizepräsident für akademische Angelegenheiten an der EPFL wiedergewählt. Seit seiner Wahl am 1. April 2010 hat Philippe Gillet bereits sowohl interne wie auch internationale Initiativen erfolgreich vorangetrieben, darunter auch die strategischen EPFL-Projekte „Guardian Angels“ und „Blue Brain“, die von der EU als FET-Flagship-Kandidaten ausgewählt worden sind. Der renommierte Geophysiker und Geochemiker und ordentlicher Professor für Physik verfügte bereits vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten der EPFL über einen eindrücklichen Leistungsausweis sowohl in der Lehre und Forschung als auch im Hochschulmanagement und in der Wissenschaftspolitik.

Prof. Dr. Francis-Luc Perret (*1943) wurde als Vizepräsident für Planung und Logistik wiedergewählt. Seit seiner Wahl vom 1. April 2000 hat er mit Weitsicht und Erfolg die baulichen Veränderungen auf dem Campus der EPFL betreut. Unter seiner Führung ist auch der Bau des künftigen Kongresszentrums der EPFL weit vorangeschritten und soll voraussichtlich bis Anfang 2014 erstellt sein. Angesichts dieses wichtigen Projekts hat der ETH-Rat ausnahmsweise die Tätigkeit von Francis-Luc Perret, die bereits früher um zwei Jahre über das Pensionsalter verlängert worden war, nochmals und letztmalig bis zur Vollendung seines 70. Lebensjahres erstreckt.