01. März 2013

Stossrichtung stimmt, Massnahmen schärfen

Der ETH-Rat stimmt der Energiestrategie 2050 und ihren generellen Zielen im Grundsatz zu. Der ETH-Bereich wird die Implementierung der Strategie durch Lehre, Forschung und Wissens- und Technologietransfer sowie durch vorbildhaftes Verhalten unterstützen. Die angestrebte Effizienzsteigerung und das Volumen der Substitution durch neue erneuerbare Energie hält der ETH-Rat in der gewählten Zeitspanne für sehr ambitiös.

Ganzheitlich – entwicklungsoffen – nachvollziehbar

  • Die Energiestrategie 2050 soll für alle Beteiligten klare, transparente und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, welche die Planungs-, Investitions- und Rechtssicherheit gewährleisten. Das Schwergewicht soll aus Sicht des ETH-Rats auf wettbewerbs- und marktorientierten Mechanismen liegen.
  • Der Umbau des komplexen Energiesystems ist zwingend ganzheitlich anzugehen. Die Förderung der erneuerbaren Energien, der Ausbau der Stromnetze sowie Ausbau und Optimierung der Stromspeicherung sind integral zu betrachten und zu planen.
  • Das Klimaziel ist weiterhin zu verfolgen. Der Import von Kohlestrom ist keine Lösung; ein mittelfristiges «Verbot» der reinen Niedertemperatur-Wärmeerzeugung mit fossilen Energieträgern muss Teil der Strategie sein.
  • Die Energiestrategie 2050 muss im internationalen Kontext gesehen und weiterentwickelt werden, seien dies Energiestrategie und -politik anderer Länder sowie der EU, seien dies Erkenntnisse und Fortschritte in der Technologieentwicklung.
  • Die Energiestrategie 2050 als gesellschaftliches Grossprojekt ist eine Chance: radikale Neuerungen sind zu erproben, das eröffnete Experimentierfeld voll auszuschöpfen. Dies trifft insbesondere für die Forschung und ihre Förderung zu.
  • Der ETH-Rat hält eine Gesamtübersicht in einer entwicklungsoffenen und adaptierbaren Roadmap (rollende Planung) für unabdingbar. Sie soll für die Jahre 2020, 2035 und 2050 Meilensteine mit klar definierten, nachvollziehbaren und überprüfbaren Indikatoren aufweisen.

Von Vorschriften zu Lenkungen

Das Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 legt das Schwergewicht auf Subventionen, Vorschriften und Information. Ausbau, Optimierung und Intensivierung dieser bereits bestehenden und bekannten Instrumente ermöglichen aber nicht den notwendigen Quantensprung. Der Ausbau der Subventionswirtschaft (kostendeckende Einspeisevergütung, CO2-Abgabe, Netzzuschlag) kann teuer und schwer reversibel werden. Zudem verlangt die administrative Feinsteuerung eine Aufsichts- und Kontroll-Bürokratie. Ein kohärentes «Policy Design» ist so auf Kostenwahrheit, marktwirtschaftliche Instrumente und konsistente Preissignale auszulegen, dass möglichst wenig administrative Kontrollen und Aufsicht notwendig sind. Die Subventionsphase ist daher zeitlich verbindlich zu begrenzen. Parallel zum «Phasing out» bis 2020 sind Lenkungsmechanismen aufzubauen.

Die Steigerung der Energieeffizienz hat insbesondere im Gebäudebereich grosses Potential und kann effektiv sein. Allerdings gilt es, auch die Suffizienz zu unterstützen, also eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die den Verbrauch von Gütern, Stoffen und Energie massvoll hält.

Das Potential der neuen erneuerbaren Energie ist beträchtlich; ihre Nutzung soll zügig ausgebaut werden. Neue erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Wind fallen aber fluktuierend an. Fördert man Installationen ab einer gewissen Grösse, sollten diese zum kombinierten Betrieb eines Energiespeichers verpflichtet werden. Für den sicheren Betrieb und späteren Rückbau der Kernkraftwerke sowie für die Behandlung und Lagerung radioaktiven Abfalls müssen Lehre und Forschung in der Schweiz weiterhin qualifizierten Nachwuchs heranbilden.

Vorbildfunktion des ETH-Bereichs

Forschung und Entwicklung sollen und werden wesentlich dazu beitragen, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Der ETH-Bereich wird seine Anstrengungen dazu in enger Zusammenarbeit mit Fachhochschulen, Universitäten und Wirtschaft weiter verstärken.

Der ETH-Bereich ist bereit, im Rahmen der Energiestrategie 2050 eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Er ist schon in der Vergangenheit bewusst mit Energie umgegangen und hat national und international beachtete Leuchtturmprojekte realisiert. Er senkt den Energieverbrauch unter Kosten-Nutzen-Überlegungen weiterhin auf verschiedenen Ebenen:

  • Energieverbrauch für den Bau und Betrieb der Gebäude: Beispiele sind das Forum Chriesbach der Eawag (Bezug 2006) oder die Sanierung des Gebäudes HPZ der ETH Zürich (2011), der Parc Solaire auf den Dächern der EPFL sowie innovative Arealkonzepte.
  • Energieverbrauch durch Nutzerinnen und Nutzer (z.B. für Papier, Licht, Mobilität etc.): Die Umweltverantwortlichen der Institutionen des ETH-Bereichs initiieren und realisieren laufend Massnahmen.
  • Für den Energiebedarf von Lehr- und Forschungseinrichtungen sind generelle Effizienzsteigerungs- und Verbrauchsziele hingegen nicht sinnvoll. Individuelle Zielpfade sind pauschalen Vorgaben vorzuziehen. Es gilt, die Eigenverantwortung der Institutionen und Forschungsgruppen stärker zu betonen.

Den Nachwuchs ausbilden

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 kann nur gelingen, wenn genügend Fachkräfte verfügbar sind. Über seine Lehre und Nachwuchsförderung wird der ETH-Bereich dazu einen substantiellen Beitrag leisten.